Umbau der Tierhaltung

Ein Blick auf den Fipronil-Skandal im Jahr 2017 kann helfen, um die Dimensionen des Lebensmittelkonsums zu verdeutlichen: Alleine in Niedersachsen wurde von 35,3 Millionen Eiern ausgegangen, die mit dem Insektengift belasteten waren. Produziert und versendet innerhalb weniger Wochen. Die Strukturen in Belgien, den Niederlanden, aber auch in Deutschland bestehen aus Betrieben bei denen 200.000 bis 300.000 Legehennen die Regel sind. Hinter solchen Zahlen verbirgt sich eine hochgradig spezialisierte Produktionskette, die nicht nur die Geflügelhaltung betrifft. Dabei spielt das Wohl der Tiere eine untergeordnete Rolle. Längst fordern nicht nur Tierschutz- und Umweltverbände, sondern auch ein breiter Teil der Bevölkerung einen Umbau der Tierhaltung.

Legehennen und Geflügel: Umbau vor zehn Jahren ohne Wirkung

Legehennen werden in Deutschland inzwischen zu 63 Prozent in konventioneller Bodenhaltung gehalten. Die Tiere leben meistens zu Zehntausenden in sogenannten Volierensystemen mit mehreren Etagen. In einer Einstreu aus Stroh oder Hobelspänen können sie scharren, picken und staubbaden. 16 Prozent der Legehennen leben in Freilandhaltung, bei der sie Auslauf ins Freie haben. Bei weiteren elf Prozent kommen die sogenannte Kleingruppenhaltung oder andere Formen ausgestalteter Käfige zum Einsatz. Heute werden fast ausschließlich auf hohe Legeleistung spezialisierte Legehennen gehalten. Diese können über 300 Eier pro Jahr legen. Bereits nach einem Jahr lässt die Leistung jedoch nach. Nach rund eineinhalb Jahren werden die Tiere geschlachtet und durch junge Hennen ersetzt.

Geflügel in Deutschland - die Rahmendaten (Stand 2014, Quelle: BMEL)

  • Betriebe mit Geflügelhaltung: ca. 56.600 mit Hühnerhaltung und 9.000 mit anderem Geflügel wie Puten, Enten und Gänsen
  • Jährlich geschlachtete Tiere: 701 Millionen
  • Jährliche Produktion: ca. 1,5 Millionen Tonnen Fleisch und ca. 13,7 Milliarden Eier
  • davon aus ökologischer Erzeugung: Fleisch: 1 Prozent, Eier: 7 Prozent, bei Selbstversorgung: 70 Prozent

Im Geflügelbereich mit seinen extrem rationalisierten Strukturen hat vor knapp zehn Jahren mit dem Verbot der Käfighaltung eine Trendwende stattgefunden. Seitdem sind noch die ausgestalteten Käfige nach EU-Norm sowie das in Deutschland dominierende Nachfolgemodell der konventionellen Käfige, die sogenannten Kleingruppenkäfige, erlaubt. Lediglich bei Bio-Hühnern sind alle Formen von Käfigen verboten. Grundlegende strukturelle und Tierschutzfragen wurden mit diesem Umbau leider nicht gelöst. So werden auch weiterhin die männlichen Küken von Legerassen direkt nach dem Schlupf getötet. Die Tiere werden in der Regel weiter in geschlossenen Ställen ohne Auslauf gehalten. Ihnen müssen hohe Mengen an Arzneimitteln prophylaktisch verabreicht werden, um die Gesundheit der mehrere tausend Tiere umfassenden Bestände sicher zu stellen.

Schweinehaltung: Fortschreitende Rationalisierung, großes Tierleid

Ganz anders war die Entwicklung in der konventionellen Schweinehaltung. Hier ist die Spezialisierung in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich fortgeschritten. In aller Regel werden die Muttersauen und die Ferkelerzeugung in darauf spezialisierten Betrieben gehalten. Die tragenden Sauen bringen ihre Ferkel im sogenannten Kastenstand zur Welt. Das ist ein Käfig, der nur wenig größer ist als das Tier. Durch den Kastenstand wird verhindert, dass die Muttersau ihre eigenen Ferkel in der kleinen Abferkelbucht ohne Stroh, mit Gitterboden aus Plastik, beim Ablegen erdrückt. Die Ferkel können sich in der Abferkelbucht frei bewegen. Wenige Tage nach der Geburt werden die männlichen Tiere kastriert, um bei Erreichen der Geschlechtsreife den eventuell auftretenden Ebergeruch im Fleisch zu verhindern. Ein konventionell gehaltenes Mastschwein lebt ungefähr sechs bis sieben Monate, bevor es geschlachtet wird. Damit die geschlachteten Schweine möglichst homogen sind und den Anforderungen der Schlachtkonzerne entsprechen, kommen vor allem Hybridlinien zum Einsatz.

Ein großer Kostenfaktor innerhalb der Schweinehaltung und Schweinemast sind die Baukosten. Daher wurde in der Vergangenheit vielfach angestrebt, möglichst viele Tiere auf möglichst kleiner Fläche zu halten. Das entspricht aber nicht dem Wesen der Tiere. Wenn man ihnen die Wahl gibt, unterscheiden Schweine zwischen verschiedenen Bereichen. So haben sie normalerweise neben Fressen und Liegen auch einen Bereich zum Koten. Voraussetzung dafür ist ausreichend Platz, möglichst mit Zugang ins Freie, den bis jetzt nur die Bio-Haltung gewährleistet.

Die Rationalisierung hat dazu geführt, dass die Schweine in der Industrietierhaltung in Buchten ohne Auslauf nach draußen auf Spaltenboden gehalten werden. Der Kot wird von den Tieren durch die Schlitze in die darunter liegende Grube getreten. Die räumliche Nähe von Güllelager und Aufenthaltsraum der Schweine führt zu Belastungen der Atemwege durch das permanent austretende Amoniak. Auch aus diesem Grund sind Schweinställe zwangsbelüftet. Die Lüftung garantiert auch, dass die Temperaturen im Stallinneren aufgrund der vielen hundert Tiere nicht zum Hitzetod führen. Besonders dramatisch kann dies werden, wenn die Technik ausfällt.

Die engen Haltungsbedingungen, Wärme, Geräusche und Geruch führen zu Stress. Die Enge macht es den Tieren unmöglich, bei Aggressionen untereinander auszuweichen. Um Verletzungen zu vermeiden, werden den Schweinen deshalb im Ferkelalter die Schwänze abgeschnitten und die Zähne abgeschliffen. Im Jahr 2017 wurden mehr als 95 Prozent der in Deutschland geschlachteten 58 Millionen Schweine auf diese Weise gehalten.