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Pressestimmen zur Saatguttour

Höxter

Am 15. Januar 2014 um 10 Uhr startet die Saatguttour der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) in Hannover. Den Auftakt bildet eine Kundgebung vor dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. Dort wird die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft gemeinsam mit dem Agrarbündnis Niedersachsen, Slow Food Hannover, der IG-Nachbau, der Koordination Gentechnikfreie Regionen in Deutschland und Die Bäcker. Zeit für Geschmack e.V. ihre Forderungen an die Politik stellen. Anschließend wird je ein Traktor nach Berlin und nach Brüssel aufbrechen. Weitere Stationen in Hannover an diesem Tag sind ein Gespräch mit Landwirtschaftsminister Christian Meyer und ein Treffen mit Mitarbeitern des Bundessortenamtes. Die jAbL-Saatguttour findet anlässlich der Reform der EU-Saatgutgesetzgebung und der Beratungen des EU- Parlaments über den aktuellen Gesetzesentwurf statt. Sie soll die Bedeutung des Saatguts für die Zukunft der Nutzpflanzenvielfalt und damit auch für die Vielfalt der angebotenen Lebensmittel hervorheben. Die Struktur der Saatgutzüchtung und -vermehrung und damit die Vielfalt unserer Feldkulturen werden durch die EU-Gesetzgebung entscheidend beeinflusst.

Die jAbL kritisiert wesentliche Punkte des Gesetzesentwurfs, in denen die Rechte zur eigenständigen Saatgutvermehrung und -züchtung durch bürokratische Zulassungs- und Kontrollvorschriften beschränkt werden. Einerseits bezieht sich die Kritik auf das Gesetzgebungsverfahren, da wesentliche Punkte im Rahmen sogenannter „delegated acts“ erst später und unter Ausschluss der Öffentlichkeit festgelegt werden sollen.

Andererseits werden nach Ansicht der jAbL durch den Beibehalt der DUS-Auflagen (distinctiveness, uniformity, stability) keine züchterischen Qualitätsmerkmale beschrieben, sondern Anforderungen der industriellen Pflanzenproduktion erfüllt. Für die Förderung der Robustheit von Sorten durch genetische Vielfalt, sowie für die gleichberechtigte Zulassung von ökologisch erzeugtem Saatgut ist dieser Ansatz jedoch in Frage zu stellen. Außerdem wird mit dem jetzigen Gesetzesentwurf die Transparenz der Züchtungsmethoden ausgehebelt. Die Möglichkeit ethischer Bedenken gegenüber bestimmten Züchtungsmethoden wird somit gezielt ausgeschaltet.

Wir positionieren uns weiterhin gegen eine Konzentration der Saatgutproduktion in wenigen Großkonzernen, da wir in dieser Konzentration eine der Ursachen für den Verlust an Nutzpflanzenvielfalt um 90% in den letzten Jahrzehnten sehen.

Mit der Tour verbindet die jAbL die „Wir haben es satt!“- Demonstration am 18.Januar in Berlin und die Kundgebung zur Reform der europäischen Saatgutgesetzgebung am 20. Januar in Brüssel. Unter dem Motto „Saatgutvielfalt retten - Zukunft säen in Berlin und Brüssel“ fordert die jAbL eine

Saatgutgesetzgebung, die eine vielfältige und bäuerliche Landwirtschaft und eine größere Sortenvielfalt ermöglicht und fördert.

„Pflanzenzüchtung und Saatgutvermehrung sind allgemeine Güter und sollten nicht kurzfristig den Interessen von Wenigen dienen. Was wir brauchen sind dezentrale, an regionale Bedingungen angepasste Sorten um langfristig eine krisenresistente Welternährung fördern.“ sagt Christian Höing, Mitglied der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Carla Proetzel ergänzt: „Als Jungbäuerin ist mir das Recht auf eigenen Nachbau wichtig. Unabhängige und vielfältige Züchtung sowie Saatgutvermehrung müssen gefördert werden. Ich möchte Sorten kaufen die an regionale Bedingungen angepasst sind, insbesondere die Züchtungsarbeit bei den Leguminosen muss verstärkt werden.“

Die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL), ist eine Gruppe junger Bäuerinnen und Bauern, GärtnerInnen, ImkerInnen und anderer Menschen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld, die gemeinsam zu agrarpolitischen Themen arbeiten. Wir wollen uns aktiv in die Politik einbringen und mehr Menschen für die Belange der Landwirtschaft sensibilisieren.

Landwirtschaftsminister Meyer: Saatgutvielfalt erhalten!

Minister fordert deutliche Verbesserung der EU-Saatgutverordnung - Gespräch mit JAbL-Vertretern

HANNOVER. Anlässlich eines Gesprächs mit Vertretern der Jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (JAbL) über die Zukunft der EU-Saatgutregulation erklärte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer: „Die neue Saatgutrichtlinie der Europäischen Kommission muss für alle landwirtschaftlichen Betriebe Vorteile bieten - vor allem Klein- und Ökobetriebe dürfen hier nicht benachteiligt werden. Der Entwurf der EU muss deshalb deutlich nachgebessert werden."

Kleine Unternehmen, die zum Beispiel eine neue Apfelsorte gezüchtet haben, dürfen keine Nachteile durch teure und aufwändige Sortenschutz- und Zertifizierungsverfahren haben. Dies wäre für viele niedersächsische Betriebe ein erhebliches Problem. So sei zwar ein Bestandsschutz für alte Obst- und Gemüsesorten vorgesehen. Bei einer neuen Züchtung gebe es jedoch nach dem geplanten Verordnungsentwurf eine mit Kosten verbundene Anerkennung - ein Verfahren, das insbesondere viele kleinere Unternehmen vor Probleme stellt.

Minister Meyer: „Die Sortenvielfalt ist für uns von besonderer Bedeutung. Ich habe nichts gegen Sortenschutz und Zertifizierung im Sinne einer Transparenz für den Verbraucher, aber es muss gewährleistet sein, dass auch kleine Züchter mit geringer Kostenbelastung und geringem bürokratischem Aufwand neue Sorten auf den Markt bringen können. Hierfür habe ich mich im Bundesrat eingesetzt. Der Verbraucher soll am Ende viele Auswahlmöglichkeiten haben, qualitativ hochwertige Äpfel oder Kartoffeln in seinen Einkaufskorb zu legen."

Zu dem Gespräch hatte Niedersachsens Landwirtschaftsminister die JAbL-Vertreter eingeladen. Zuvor fand eine Auftaktkundgebung der Arbeitsgemeinschaft zum Thema „Saatgutvielfalt retten!" vor dem Landwirtschaftsministerium statt. Die Teilnehmer möchten in einer „Saatgut-Tour" nach Brüssel und Berlin für die Sicherung und Förderung der Pflanzenvielfalt und -züchtung werben. Hintergrund ist der Entwurf einer Saatgutverordnung der Europäischen Kommission, über den das Europäische Parlament im Frühjahr abstimmt.

Landwirtschaftsminister Meyer abschließend: „Wir teilen die Kritik vieler Bauernverbände an den ersten Entwürfen der geplanten Richtlinie. Die Vielfalt auf den Äckern muss erhalten bleiben!"