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06.04.2018 |

„Was der Biene schadet, muss vom Markt!“

Biene mit Blüte
Biene mit Blüte (Foto: Nabu/Eric Neuling)

Die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat kurz nach ihrer Ernennung klar gegen das Bienensterben Stellung bezogen. In ihrer Antrittsrede sagte die CDU-Politikerin: "Was der Biene schadet, muss vom Markt.“ Damit stößt sie auf offene Ohren bei ImkerInnen und Naturschutzorganisationen, die seit langem ein konsequentes Verbot von Insektengiften wie Neonicotinoiden und einen Pestizidausstieg fordern. Offen ist dabei, ob Klöckner im Gegensatz zu ihrem Vorgänger den Ankündigungen auch Taten folgen lässt.

Ein kluger Plan für den konsequenten Schutz von Honig- und Wildbienen ist dringend nötig. Denn die Situation ist dramatisch: Fast zwei Drittel der Bienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. In Westdeutschland ging die Zahl der Bienenvölker seit 1990 mehr als vierzig Prozent zurück, im Osten sieht es nicht besser aus. Wird das Bienensterben nicht gestoppt, spüren wir bald alle die Auswirkungen auf unseren Tellern. Nach Angaben des Deutschen Imkerbunds würdendie Erträge bei der Birnenernte ohne Bienen um 89 Prozent zurückgehen, bei Äpfeln wären es über 60 Prozent weniger. Und ohne die Bestäubung durch Bienen würde nur noch eine von fünf Pflaumen am Baum hängen.

Höchste Zeit also für einen Bienenaktionsplan, der den Schutz der Fluginsekten in den Mittelpunkt stellt und gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern, Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang bringt. Viele bäuerliche Betriebe erhalten schon heute vielfältige Kulturlandschaften, in die sich Bienen zurückziehen können. Selbst bauernverbandsnahe Initiativen haben die Zeichen der Zeit erkannt und pflanzen öffentlichkeitswirksam Blühstreifen. Das alles wirkt aber nur dann, wenn die "Neonics", die sich auf das Nervensystem der Bienen auswirken und ihnen die Orientierung rauben, aus dem Verkehr genommen werden. Auch der flächendeckende Einsatz von Pestiziden, die Blüten vernichten, muss schleunigst beendet werden.

Zudem braucht es ein generelles Umdenken. Denn je mehr hierzulande asphaltiert, gepflastert und betoniert wird, desto mehr schrumpft der Lebensraum der Bienen. Das gilt gleichermaßen für Stadt und Land, auch wenn ironischerweise – dank der industriellen, monotonen Landwirtschaft – in den Städten mittlerweile ein größerer Artenreichtum an Insekten herrscht als auf dem Land. Es fehlt an unaufgeräumten Landschaften, Totholz, Hecken und Blühstreifen. Wechselnde Fruchtfolgen, diverse Pflanzen und pestizidfreie Äcker – das alles gefällt den Bienen.

Julia Klöckner hat sich also mit ihrer Ankündigung einiges vorgenommen. Es liegt an ihr, die Tatenlosigkeit der letzten Jahre in ihrem Ministerium zu beenden. Ein Umsteuern ist überfällig. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die neue Agrarministerin – jenseits von öffentlichkeitswirksamen Verlautbarungen – wirklich im Sinne der Bienen arbeitet.

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