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03.05.2017 |

Mehr als eine Viertelmillion EU-Bürger fordern Agrarreformen

Danke Living Land
Danke Living Land

Die Umweltverbände BUND, DNR, NABU und WWF haben die Beteiligung von rund 260000 EU-Bürgern an einer von der EU-Kommission gestarteten Online-Debatte um die künftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik gelobt. Innerhalb von nur vier Wochen sei es gelungen mit dem Projekt "Living Land", eine breite öffentliche Diskussion um den Reformbedarf im Agrarsektor anzustoßen und viele Menschen für die Interessen von Bäuerinnen und Bauern, Umwelt und Verbrauchern zu interessieren.

„Erforderlich ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik. Die bisherigen pauschalen Flächenprämien sind abzuschaffen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Agrarbetriebe dürften künftig nur noch Geld erhalten, wenn sie Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz und die artgerechte Tierhaltung erbrächten, so die Forderung des Umweltverbands. „Mit diesem Geld muss endlich eine naturverträgliche Landwirtschaft und die Ausweitung des Ökolandbaus gefördert werden. Nur eine solche Politik gibt der bäuerlichen Landwirtschaft eine Zukunft und stoppt das Höfesterben“, so Weiger.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Debatte Beteiligten forderten von EU-Agrarkommissar Phil Hogan einen Kurswechsel bei der Vergabe von Agrarsubventionen. Die Fördermittel im Landwirtschaftsbereich machen derzeit 38 Prozent des EU-Haushalts aus. Kritisiert wird auch, dass bislang der Großteil der Fördergelder in pauschale und flächenbezogene Agrarsubventionen fließe und damit agrarindustrielle Produktionsmethoden zum Schaden von Natur und Landwirten bevorzugt würden. NABU-Präsident Olaf Tschimpke kommentierte: „EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger und sein Kollege Phil Hogan müssen jetzt auf die Stimmen aus der Gesellschaft hören und nicht nur auf die Besitzstandwahrer der Agrarindustrie." Mit einer mutigen Reform könnten nicht nur die ländlichen Räume geretten werden, sondern auch das Vertrauen von Millionen Menschen in die EU gestärkt werden.

Die ab 2020 geplante neue Agrarpolitik müsse ökologisch nachhaltiger und global verantwortungsvoller ausgerichtet werden und zugleich die Interessen von Landwirten und Verbrauchern stärker berücksichtigen, so die Forderung der Verbände. Dafür erforderlich seien eine gezielte Förderung von Leistungen im Tier- und Naturschutz sowie die Beendigung der Subventionsvergabe „mit der Gießkanne“, die vor allem großen Betrieben nützt. Politisch vorangebracht werden müssten außerdem tierschutzgerechte Haltungsformen für Nutztiere sowie eine Reduzierung des Pestizid- und Düngemitteleinsatzes in der Landwirtschaft.

Hintergrund der EU-Konsultation, die am 2. Mai endete, ist die geplante Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarreform, die im Jahr 2020 in Kraft treten soll. Auf Grundlage der nun beendeten Befragung will die EU-Kommission spätestens im November diesen Jahres erste Reformvorschläge vorlegen.

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