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15.09.2016 |

Deal mit dramatischen Folgen: Bayer-Monsanto-Fusion

Die Weichen für den weltgrößten Agrochemie-Konzern sind gestellt (Foto: Turning Bqayer / flickr, Conan, http://bit.ly/2cXoA4R, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)
Die Weichen für den weltgrößten Agrochemie-Konzern sind gestellt (Foto: Turning Bqayer / flickr, Conan, http://bit.ly/2cXoA4R, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)

Immer weniger Konzerne bestimmen, was gegessen wird. Nachdem sich die beiden Saatgut- und Chemie-Riesen Bayer AG und Monsanto gestern auf einen Übernahmepreis geeinigt haben, steht der globalen Landwirtschaft eine Verschärfung der Machtkonzentration und der Verlust der Unabhängigkeit für Landwirte bevor. Es sei denn, EU-Wettbewerbskommissarin Margarete Vestager untersagt die Fusion – Organisationen machen nun Druck in diese Richtung.

Kaum ein Markt ist so konzentriert wie der globale Agrarmarkt. „Von Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung haben in den letzten Jahrzehnten jedoch nur die großen Akteure des weltweiten Agribusiness profitiert. Mit der Bayer-Monsanto-Fusion rollt nun eine weitere Markt- und damit Machtkonzentrationswelle auf uns zu.“, so Jan Urhahn, Referent für Landwirtschaft und Ernährung bei INKOTA. Bereits heute kontrollieren die „großen sechs“ – Monsanto, Syngenta, Bayer, DuPont, Dow und BASF – 75 Prozent des globalen Agrarchemiemarktes und über 60 Prozent des Saatgutmarktes.

„Mit Saatgut von Bayer und Monsanto lässt sich keine zukunftsfähige Landwirtschaft betreiben. Beide Konzerne produzieren genmanipuliertes Saatgut und die korrespondierenden Pestizide, die sie im „Kombi-Pack“ verkaufen“, so Roman Herre, von FIAN Deutschland. Preissteigerung bei Saatgut und sinkende Wahlfreiheit für Saatgut und Pestizide wären die Konsequenz, die vor allem kleinbäuerliche Landwirtschaft in den armen Regionen der Welt zerstören würde. Stattdessen bräuchte es politische Rahmenbedingungen, die es Bauern ermögliche, frei und unabhängig über ihr Saatgut zu bestimmen. Welternährung gehöre nicht in die Hände eines Agro-Oligopols, so Herre weiter.

Bei der Übernahme ginge es Bayer ganz klar um die Macht der Lebensmittelerzeugung vom Acker des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers so Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Bayer habe bereits versucht, mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf Europas Äcker zu kommen, sei jedoch am Widerstand der Zivilgesellschaft gescheitert. Nun versuche der Konzern „erneut mit so genannten neuen Techniken, die Gentechnik europaweit durch die Hintertür zu platzieren – auch hier halten wir dagegen“, kündigt Janßen an.

Monsanto habe einen guten Zeitpunkt für den Verkauf gewählt, da die besten Tage des Konzern vorbei sind. „Vor allem das umstrittene Totalherbizid Glyphosat, das einen Großteil seines Umsatzes ausmacht, und der rigide Gentechnik-Kurs haben Monsantos Ruf weltweit nachhaltig ruiniert“, so Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Deshalb bedeute die Übernahme für den deutschen Konzern zugleich ein enormes Risiko. Mit der hohen Verschuldung für die Fusion setze die AG ihre Existenz auf’s Spiel. Scheitert die Agrarsparte des Konzerns, ginge auch die Pharma-Sparte mit unter. So die Prognose der Gentechnikexpertin.

Im Oktober findet das Monsanto-Tribunal in Den Haag statt, wo Betroffene aus aller Welt von den Auswirkungen der Konzernmacht und der Unternehmenspolitik Monsantos berichten. Hier könnte sich nach Meinung von Aktion Agrar die EU-Wettbewerbskommissarin Informationen aus erster Hand abholen und bis dahin müsse ein breites gesellschaftliches Bündnis Druck bei der Kartellentscheidung ausüben.

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