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27. Februar 2016 – Der Politische Suppentopf brodelt in Erfurt!


Wer sichert eigentlich die Ernährung in den Städten der Zukunft? Was sind die großen Herausforderungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung? Welche Initiativen gibt es in Erfurt und Umgebung, die bereits Pfade in Richtung einer ökologischen und sozial gerechten Landwirtschaft beschreiten? Und wie können sich diese vernetzen, um gemeinsam stärker zu sein?
Am Samstag, den 27. Februar 2016 trafen sich etwa 35 Menschen – Mitglieder von Solidarischen Landwirtschaften, Bäuerinnen und Bauern, LebensmittelretterInnen, GärtnerInnen, Engagierte und Interessierte in der „Offenen Arbeit“ Erfurt, um gemeinsam an Visionen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu basteln, Ideen zu entwickeln und deren Umsetzung zu planen. Natürlich wurde nicht nur eifrig diskutiert und genetzwerkt, sondern auch gemeinsam mit dem Kochaktivisten Wam Kat und der „Fläming Kitchen“ regionales Gemüse geschnippelt, gekocht und gespeist.

Ein weiter so ist keine Option!

Alessa Heuser vom INKOTA-netzwerk führte uns den globalen Kontext vor Augen: Die Industrialisierung und Globalisierung unserer Landwirtschaft lenken uns in eine Sackgasse. Die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und Biodiversität werden ausgebeutet, das Klima ist überlastet. Gleichzeitig leidet immer noch jeder achte Mensch an Hunger und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Wir brauchen einen radikalen und systemischen Wandel. Aber was heißt das konkret für Erfurt und Umgebung?

Initiativen, die den Weg in die Zukunft vorgeben

Insgesamt 8 Akteure zeigten, wie sie Ernährung und Landwirtschaft in und um Erfurt zukunftsfähiger machen. Dabei lagen die Schwerpunkte auf der Schaffung regionaler Versorgungsstrukturen von Gemüse, Aufbau von Solidarischen Landwirtschaften in Erfurt und Umgebung sowie der Frage: „Was ist eigentlich regionale, saisonale Ernährung?“ Schwerpunkt war dabei natürlich die Vernetzung der Akteure untereinander. Ob Solidarische Landwirtschaft, EssensretterInnen oder Landwirte – es kam eine bunte Mischung aus Initiativen zusammen, die Lust auf eine Veränderung des Ernährungssystems in ihrer Region haben. Einen spannenden Input lieferte zudem auch Alessa Heuser, die den sich derzeitig gründenden Ernährungsrat Berlin vorstellte.

Das Food Projekt

Das Food Projekt besteht seit 2013 und hat zum Ziel, kostenlos Lebensmittel für alle bereit zu stellen und eine gemeinsame Essenskultur vor Ort zu schaffen.

Wer wir sind: Menschen, die dem bestehenden wirtschaftspolitischen System einen solidarischen, bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Lebensmitteln gegenüberstellen möchten.

Landmarkt Erfurt

Wir verfolgen das Ziel, als zukunftsfähig wirtschaftende Gemeinschaft die regionale Wirtschaft in Thüringen zu fördern. Auf diese Weise möchten wir dazu beitragen, unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Umfeld zu hinterlassen. Wir werden durch den Zusammenschluss von Erzeugern und Verbrauchern regionale, umwelt- und sozialgerecht erzeugte Produkte direkt vermarkten. Damit wollen wir den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und das wachsende Bewusstsein der Menschen für eine nachhaltige Lebensweise unterstützen.

Solidarische Landwirtschaft Erfurt

Die Initiative "Solidarische Landwirtschaft Erfurt" ist aus bürgerlichem Engagement entstanden. Ihr Ziel ist es, mehr Menschen in der Region Erfurt durch das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft den Zugang zu frischen Lebensmitteln aus ökologischem Anbau zu ermöglichen. Zu diesem Zweck soll der Verein "SoLawi-Erfurt e.V." gegründet werden.

Interkultureller Garten Erfurt

Wir sind Menschen aus Erfurt und anderen Teilen der Welt, die sich gerne im Grünen treffen. Unser Interkultureller Garten ist ein Ort zum gemeinsamen Gärtnern, Reden, Spielen, Essen und Feiern. Wem das gefällt und wer offen für neue Menschen und Kulturen ist, der ist herzlich eingeladen mitzumachen.

AbL Mitteldeutschland

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) ist eine bäuerliche Interessenvertretung, die für eine nachhaltige Landwirtschaft im Sinne einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft, sowie für entsprechende Rahmenbedingungen eintritt.  Die AbL Mitteldeutschland engagiert sich vor allem in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In der AbL haben sich sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Bauern und Bäuerinnen zusammengeschlossen, wobei die Mehrzahl der Betriebe im Bereich der kleineren und mittleren Größenklassen anzusiedeln ist.

Transition Town Erfurt – Die Stadt im Wandel

Angesichts Peak Everything, des Klimawandels und der immer schneller voran schreitenden Umweltzerstörung können und wollen Bürgerinnen und Bürger nicht länger darauf warten, dass die Politik aktiv wird. Aus der Freude heraus Positives bewirken zu können und dem Vertrauen, dass es noch nicht zu spät ist den Wandel mit zu gestalten, versuchen wir in unserer Stadt "lokal zu handeln” weil wir “global denken”. Wir wagen es, der Zukunft optimistisch entgegen zusehen und ermächtigen uns selbst, die Dinge ins Rollen zu bringen, als Erfurter gemeinsam, unabhängig, überparteilich.

Solawi Initiative Schloss Tonndorf

Seit dem Jahr 2005 entwickelt sich auf Schloss Tonndorf eine Wohn-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft. Das Ziel dieser Gemeinschaft ist die nachhaltige Wiederbelebung dieses Ortes. Dabei stehen die Sanierung und die Unterhaltung des Baudenkmals sowie die Schaffung eines ökosozialen Netzwerkes im Mittelpunkt der Aktivitäten. Perspektivisch soll das Schloss ein öffentlicher Ort der Begegnung, der Bildung u. der regionalen Vernetzung werden.

Der Ernährungsrat für Berlin

Der Ernährungsrat für Berlin ist eine offene Bewegung von AkteurInnen aus Berlin und Umland, die sich mit dem Thema Ernährung befassen. Mit dem Ziel, den Themen „Ernährung“ und „Landwirtschaft“ – und damit zusammenhängenden Fragen wie Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung, Regionalität, soziale und globale Gerechtigkeit, menschliche und tierische Gesundheit – in der Region Berlin-Brandenburg mehr öffentliche Aufmerksamkeit und politische Schlagkraft zu verleihen.

Aktiv werden! Welches Rezept ernährt Erfurt und Umgebung in Zukunft?

In der zweiten Tageshälfte waren alle eingeladen, selbst aktiv zu werden. In vier thematischen Kleingruppen wurden Erfahrungen ausgetauscht, Ideen gesammelt und konkrete Schritte für die Zukunft geplant.

1. Kleingruppe: MitstreiterInnen finden

Was läuft gut?

  • Kultur flaniert (Juni 2016)
  • Hirschgartenfest/Tag der Nachhaltigkeit (4.06.2016)
  • Food Projekt; Freitags (17.00-19.00Uhr)

Was läuft schlecht?

  • Es fehlt ein zentraler, großer Anlaufpunkt für regelmäßige, konkrete Treffen
  • Raum für Treffen fehlt
  • Gemeinsame Webseite (Blog/Kalender) existiert, wird aber kaum genutzt
  • Zu wenige machen zu viel

Was muss sich ändern?

  • Alle müssen ins Netzwerk integriert werden
  • Kontinuität (Öffnungszeiten)

Was können wir konkret tun?

  • Ein monatliches Treffen für Absprachen/Vernetzungstreffen (März/April) (Nachhaltigkeit?)
  • HelferInnen-Pool Erfurt
  • Heft zusammenstellen, mehrsprachig, Weltwärts arbeitet daran.
  • Gemeinsame Webseite
  • Events ziehen Leute an
  • Vereinshaus/Kulturhaus
  • Haus der Begegnung
  • Geflüchtete für konkrete Projekte/praktische Arbeit miteinbeziehen

 

2. Kleingruppe: Zugang zu Land und Krediten

Was läuft gut?

  • Politische Willensbekundung für Ökolandbau
  • Steigende Nachfrage nach regionalen Produkten
  • Thema „Flächenvergabe“ mehr in der Öffentlichkeit
  • Bio-Boden-Genossenschaft und andere
  • Angebot: Patenschaften für städtische Fläche
  • 1000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche von der Stadt  Erfurt vorhanden

Was läuft schlecht?

  • Finanzielle Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber
  • Bürokratische Hürden

Was muss sich ändern?

  • Konkrete Konzepte für stadtnahe Flächen

Was können wir konkret tun?

  • Dialog Ökoherz und AbL beibehalten
  • Dialog Landwirtschaft und Handel fördern

 

3. Kleingruppe: regionale Logistik/ Infrastruktur

Was läuft gut?

  • Angebot -> gut
  • Nachfrage ¬> gut

Was läuft schlecht?

  • Lagerung + Konservierung von Überschüssen -> Defizite bei Räumen und Wissen (SoLaWi)
  • Verknüpfung Produzent/in bzw. Anbieter/in und Verbraucher/in
  • Wertschätzung, Wertschöpfung für Produzent/in zu gering, wegen Zwischenhandel
  • Mangelnde Kommunikation/Information über Preisgestaltung/Qualität

Was muss sich ändern?

  • Kommunikation und Transparenz  zwischen Anbauenden und Verbrauchenden
  • Erfahrung! Entwicklung von Verständnis/Verstehen/Lernen über Produktionsabläufe

Was können wir konkret tun?

  • Flexible SoLaWi-Modelle (solidarische Lebensmittelproduktion)
  • Mitarbeit auf dem Betrieb
  • Stadtplan für „Externe“, wo schnell ersichtlich ist, wo es was gibt
  • Küche, Lagerraum, Verteilstation zentral organisieren
  • Motivierende Essen + Tanzen-Events um die Leute raus zu locken, so ist feiern = arbeiten!
  • Hygienekonzept für Verarbeitung

 

 

Der Politische Suppentopf kam gut an – einige persönliche Highlights von Teilnehmenden:

 

 „Die vielseitigen Gespräche mit Teilnehmern und Wam“,  „Das Treffen von Produzente aus der Region“ „Natürlich das Essen !“

Wie geht’s weiter/Termine:

7.04./8.04.       Symposium Soziale Landwirtschaft — Gartenbaumuseum

7.04. 19 Uhr      Infoabend Solidarische Landwirtschaft im Haus der Nachhaltigkeit, Erfurt