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Es brodelt: Der Politische Suppentopf in Berlin!

Wer sichert eigentlich die Ernährung in den Städten der Zukunft? Was sind die großen Herausforderungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung? Welche Initiativen gibt es schon in Berlin, die bereits Pfade in die Zukunft der Städte von morgen beschreiten? Was muss sich verändern?

Am Samstag, 23.11.2013 trafen sich mehr als 80 Menschen – urbane Gärtnerinnen, solidarische Landwirte, Imkerinnen, Apfelretter und Saatgutretterinnen, Bauerngärtner und junge Bäuerinnen, Aktivisten, Engagierte und Interessierte – in der ehemaligen Wärmehalle des Zentrums für Kunst und Urbanistik in Moabit, um gemeinsam an Visionen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu basteln, Ideen zu schmieden und deren Umsetzung zu planen. Natürlich wurde nicht nur eifrig diskutiert und genetzwerkt, sondern auch gemeinsam mit Kochaktivist Wam Kat regionales Gemüse geschnippelt, eine nahrhafte Suppe gekocht und schlussendlich verspeist.

Ein weiter so ist keine Option!

Benny Härlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft führte uns den globalen Kontext vor Augen: Die Industrialisierung und Globalisierung unserer Landwirtschaft führen uns in eine Sackgasse. Die natürlichen Lebensgrundlagen wie Land, Wasser, Biodiversität werden ausgebeutet, das Klima überlastet – gleichzeitig leidet immer noch jeder achte Mensch an Hunger und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Wir brauchen einen radikalen und systematischen Wandel – zu dem Schluss kommt auch der Weltagrarbericht. Aber was heißt das ganz konkret für uns in Berlin?   

Initiativen, die den Weg in die Zukunft vorgehen

Rund 10 Initiativen waren geladen – am Ende waren es viel mehr! In drei Blöcken haben sie uns ihre Wege in die Zukunft vorgestellt. Dazwischen wurde Gemüse geschnippelt, was das Zeug hält:

Block 1: Zwiebeln und Möhren

Stadt macht satt sammelt und entwickelt Ideen, wie wir in der Stadt Leckeres ernten und wie wir - auch auf kleinstem Raum - Lebensmittel selbst produzieren können. Durch das eigene ackern, anbauen, ernten machen wir Städter/innen nicht nur unsere Städte, sondern auch unser Handeln grüner. http://stadtmachtsatt.anja-fiedler.de/

Das Allmende Kontor versteht sich als zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle für Gemeinschaftsgärten und urbane Landwirtschaft in Berlin. Auf dem Tempelhofer Feld in Neukölln bewirtschaftet das Allmende-Kontor mit über 700 GärtnerInnen eine Fläche von 5000 qm. www.allmende-kontor.de/ 

Die AG Gleisdreieck hat es geschafft, auf der riesigen Gleisdreieck-Brache einen interkulturellen Garten, eine offene Kleingartenanlage und ein Gartencafé durchzusetzen. http://gleisdreieck-blog.de/

Block 2: Kürbis und Kartoffeln

Das Aktonsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg vereint ökologische Anbauverbänden, Natur- und Umweltschutzverbände gemeinsam mit Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung und fordert eine Agrarwende für den Erhalt und Förderung ländlicher Räume, bäuerlicher Landwirtschaft und gesunder Lebensmittel. http://agrarwende.wordpress.com/ueber_uns/

 

In den Bauerngärten Berlin können vollständig vorbereitete Gartenparzellen mit Jungpflanzen und Saatgut gepachtet werden. So leisten die Bauerngärten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Selbstversorgung mit qualitativ hochwertigem Gemüse steigern so die Ernährungssouveränität. http://www.bauerngarten.net/

 

SpeiseGut baut auf einer 3 ha großen Fläche in Spandau Gemüse nach den Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft an. Teilnehmer/innen erhalten regelmäßig Produkte frisch vom Acker geliefert, während der Bauer und die Bäuerin regelmäßig Geld für Einkommen, Saatgut und Betriebsmittel bekommt. http://www.speisegut.com/

 

Auch die Initiative Basta ist eine solidarische Landwirtschaft. Zurzeit sind 70-80 Teilnehmer/innen in der Gruppe, die sich als Solidargemeinschaft in alle Richtungen versteht: nicht nur zwischen Konsument/innen und Produzent/innen, sondern auch untereinander.

 

Der Verein Organischer Landbau Bienenwerder baut auf dem eigenen Hof im Märkischen Oderland über 100 verschiedene Gemüse-, Obst-, Kräuter- und Blumenkulturen an, die nach Berlin direktvermarktet werden. Außerdem engagieren sich die Aktivisten des Hofkollektivs politisch, z.B. gegen den undemokratischen Landausverkauf bundeigener Länder durch die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH sowie gegen andere Fälle von Landgrabbing. http://olib-ev.org  

 

WWOOF bietet Interessierten die Chance, mit ökologischen Höfen Kontakt aufzunehmen, um dort gegen Kost und Logis mitzuhelfen. So können Interessierte die ökologische Bewegung unterstützen und gleichzeitig eine Brücke zwischen Produzenten und Konsumenten schaffen. http://www.wwoof.de/

Block 3: Rote Bete und Weißkohl

 

Der BUND Berlin kämpft für mehr Lebensqualität in Berlin und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen. Dazu gehören auch die produktiven Grünflächen der Stadt – um diese zu schützen und zu fördern, brauchen wir mehr politisches Engagement und Vernetzung, zum Beispiel auch mit den Kleingartenverbänden. http://www.bund-berlin.de/

 

VERN e.V. (Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen) erhält ca. 2.000 alte Nutzpflanzensorten und hält sie für die Allgemeinheit einfach zugänglich. Er erhält zudem das Wissen über den Anbau, den Umgang und die Nutzung der Kulturpflanzen. Daneben betreibt VERN auch Öffentlichkeits-, Bildungs-, Beratungs- und politische Arbeit zum Erhalt alter Nutzpflanzen. http://vern.de/

 

Das Bündnis Junge Landwirtschaft setzt sich für bessere Chancen für Jungbäuerinnen und -Bauern sowie Neu- und Quereinsteiger in der Landwirtschaft ein. Dazu setzen sie sich vor allem gegen die Bodenspekulation in Ostdeutschland ein – hier ist es aufgrund großer Flächen attraktiv für Investmentfonds in die Landwirtschaft einzusteigen. Bäuerliche Betriebe werden verdrängt und Betriebsneugründungen für Quer- und Neueinsteiger sind aufgrund fehlenden Lands kaum möglich.

Aktiv werden! Welches Rezept ernährt Berlin und Brandenburg in Zukunft?

Nach Zuhören und Schnippeln waren nun alle eingeladen, zu diskutieren! In vier Themengruppen wurden Antworten gesucht, Ideen gesammelt und weitere Erfahrungen ausgetauscht.

 

Urban Gardening

Urban Agriculture

Saatgut

Land und Boden

Was läuft gut?

Es gibt bereits viele kleine Initiativen, Vernetzung, Unterstützung zur Neugründung

 

Es gibt bereits viele Initiativen, Widerstand

 

Was läuft schlecht?

Stadtverwaltungen machen es schwer, kein rechtlicher Rahmen

 

Nicht genug Widerstand! Die Bevölkerung ist wenig informiert

 

Was muss sich ändern?

Flächenpolitik, Wertschätzung der Leistung urbaner Gärten, soziale Komponente herausstellen

Stärkung von Konsumentenbewusstsein, regionalen Vermarktungsstrategien (Online Plattform zur Vermittlung)

Transparenz der Saatgutkonzerne

Transparenz bei der Flächenvergabe; Land sollte beim Land bleiben & konzeptgebunden verpachtet werden

Was wird bereits getan?

Beratung, Hilfe zur Selbsthilfe, Bildungsarbeit

Solidarische Landwirtschaften

Aufklärungsarbeit, selber anbauen, Widerstand leisten (z.B. Demos)

Betroffene werden mobilisiert, Volksentscheide, Petitionen, Lobbyarbeit, „Städter“ aufklären und zur Mitarbeit animieren

Und dann… ein Abendessen vom Feinsten!

Auf dem Menü: Zukunftsweisende pikante Kürbis-Sellerie-Suppe, solidarischer cremiger Rote-Bete Salat, enkeltauglicher frisch-fruchtiger Weißkrautsalat, gemeinschaftliches köstliches Kartoffel-Gemüse-Püree. Alles von uns selbst geschnippelt, von Wam Kat und seinem Fläming Kitchen-Team gekocht und von allen begeistert verspeist! Über dieses fantastische Abendessen wurde im Open-Space-Formate weiterhin geredet und genetzwerkt, bevor der Abend mit Musik und dem Film „Voices of Transition“ ausklang.

Der Politische Suppentopf kam gut an – einige Kommentare von Teilnehmenden:

„Ich habe Lust bekommen mich zu engagieren, weil ich motivierte Leute kennengelernt habe, bei denen ich einfach mitmachen kann.“

„Ich habe mega viele Informationen erhalten und total viele neue Projekte kennengelernt. Ist echt toll, was alles schon passiert.“

„Leute, mehr Werbung machen! Es müssen mehr Menschen erreicht und informiert werden.“

„Der Networking-Effekt war fantastisch.“

„Den Politischen Suppentopf sollte es schon länger geben. Bitte auch in anderen Städten.“

 

 

dokumentiert von Christine Pohl (INKOTA-netzwerk)

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