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6. März 2016 – Der Politische Suppentopf brodelt in Biesenthal!


Wer sichert eigentlich die Ernährung in den Städten der Zukunft? Was sind die großen Herausforderungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung? Welche Initiativen gibt es in Biesenthal und Umgebung, die bereits Pfade in Richtung einer ökologischen und sozial gerechten Landwirtschaft beschreiten? Und wie können sich diese vernetzen, um gemeinsam stärker zu sein?
Am Sonntag, den 6. März 2016 trafen sich etwa 60 Menschen – Mitglieder von solidarischen Landwirtschaften, Bäuerinnen und Bauern, LebensmittelretterInnen, Köche, GärtnerInnen, Engagierte und Interessierte im Kulturbahnhof Biesenthal, um gemeinsam an Visionen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft zu basteln, Ideen zu entwickeln und deren Umsetzung zu planen. Natürlich wurde nicht nur eifrig diskutiert und genetzwerkt, sondern auch gemeinsam mit dem Kochaktivisten Wam Kat und der „Fläming Kitchen“ regionales Gemüse geschnippelt, gekocht und gespeist.

Ein weiter so ist keine Option!

Alessa Heuser vom INKOTA-netzwerk führte uns den globalen Kontext vor Augen: Die Industrialisierung und Globalisierung unserer Landwirtschaft lenken uns in eine Sackgasse. Die natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und Biodiversität werden ausgebeutet, das Klima ist überlastet. Gleichzeitig leidet immer noch jeder achte Mensch an Hunger und die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Wir brauchen einen radikalen und systemischen Wandel. Aber was heißt das konkret für Biesenthal und Umgebung?

Initiativen, die den Weg in die Zukunft vorgeben

Insgesamt 9 Akteure zeigten, wie sie Ernährung und Landwirtschaft in und um Biesenthal zukunftsfähiger machen. Dabei lagen die Schwerpunkte auf der Schaffung regionaler Versorgungsstrukturen von Gemüse und Milch, dem Aufbau eines regionalen Caterings in Biesenthal bis hin zu Landvergabestrategien in Brandenburg, Schwerpunkt war dabei natürlich die Vernetzung der Akteure untereinander. Ob Solidarische Landwirtschaft, Milchviehbauer und die Ökonauten – es kam eine bunte Mischung aus Initiativen zusammen, die Lust auf eine Veränderung des Ernährungssystems in ihrer Region haben. Einen spannenden Input lieferten auch Hans, der durch persönliches Engagement die Umverteilung von Lebensmitteln organisiert sowie Alessa Heuser, die den sich derzeitig gründenden Ernährungsrat Berlin vorstellte.

Wukantina

Die WUKANTINA ist ein kulinarischer Kollektivbetrieb in Gründung. Der Standort der Großküche ist auf dem Projektehof Wukania in Biesenthal. Zurzeit bauen wir ein altes Küchengebäude auf den modernen Standard um. Die Küche steht neben unserem Betrieb anderen kulinarischen Initiativen offen. Durch vegetarisches Essen mit möglichst vielen Zutaten aus der Region Brandenburg, biologisch angebaut und den Jahreszeiten entsprechend, leisten wir einen Beitrag um Kinder und Jugendliche für leckere und gesunde Ernährung zu begeistern und das Bewusstsein für umweltverträgliche und gesunde Ernährung zu fördern

Bürger Gut Börnicke

Die Vision 2020 bildet das Ziel ab: Das Bürgergut Börnicke ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der mit hoher sozialer und ökologischer Verantwortung in und um Börnicke wirtschaftet. Der Betrieb schafft Arbeitsmöglichkeiten im ländlichen Raum und ist in einer Struktur organisiert, welche durch ein hohes Maß an betrieblicher Mitbestimmung für dessen Mitarbeiter und Eigentümer geprägt ist und bietet jedem die Möglichkeit, sich am Betrieb als Eigentümer zu beteiligen und Mitspracherechte auszuüben. Das Bürgergut Börnicke ermöglicht Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft sowohl die Teilhabe (Verantwortung und Mitgestaltung) an der landwirtschaftlichen Produktion als auch den gemeinschaftlichen Zugriff auf Land. Die landwirtschaftlichen Produkte sind sowohl für die Gemeinschaft des Bürgergut Börnickes, als auch für den regionalen Verkauf bestimmt.

Ökonauten

Die Ökonauten eG ist eine Erzeuger-Konsumenten-Genossenschaft in Berlin-Brandenburg. Durch die Einlagen unserer Mitglieder sichern wir langfristig Ackerflächen zur Förderung einer kleinstrukturellen Landwirtschaft. Gleichzeitig fördern wir die Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus der Region für unsere Mitglieder.

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft BBB

In der solidarischen Landwirtschaft - kurz SoLaWi - tragen mehrere Privat-Haushalte alle Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug den gesamten Ernteertrag erhalten. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger*innen als auch die Konsument*innen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft. Wir vom bundesweiten Netzwerk Solidarische Landwirtschaft sind überzeugt, dass SoLaWi ein zentrales Werkzeug der Agrarwende sein kann - und auch hier vor Ort in Berlin-Brandenburg begeistert die Idee der Solidarischen Landwirtschaft immer mehr Höfe.

Stolze Kuh

Anja und Janusz haben in Stolzenhagen an der Oder einen kleinen Ökohof mit dem Namen Stolze Kuh gegründet.
Die wesensgemäße, naturnahe Milchviehhaltung mit ammengebundener Kälberaufzucht, behornten Tieren, Vollweide, einem Bullen in der Herde und Heu-Fütterung im Winter steht dabei im Mittelpunkt. 30 Kühe gefährdeter Zweinutzungsrassen (Original Braunvieh, Angler Rotvieh alter Zuchtrichtung, Tiroler Grauvieh und Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind) weiden auf Naturschutzflächen des Nationalparkvereins Unteres Odertal. Als Ergänzung wird von der NABU-Stiftung ein Extensivacker bewirtschaftet.

Gemeinschaft Spörgelhof – Solidarische Landwirtschaft

Wir sind ein seit Mai 2014 wachsendes Kollektiv von Menschen, die wissen wollen, wo und wie ihre Lebensmittel wachsen. Gemeinsam mit unseren Gärtnern Mario und Diego probieren wir auf dem Spörgelhof inmitten von Wald und Wiesen nahe dem Hellsee Permakultur und eine solidarische Ökonomie. Der Spörgelhof mit seinen ca. 1,1 Hektar Ackerfläche liegt 30 km nordöstlich Berlins bei Lobetal, nahe Bernau. Wir streben eine gemeinschaftlich getragene, solidarische Landwirtschaft (CSA) an, von der alle Beteiligten profitieren, weil eine Gruppe von Menschen sich langfristig mit unserem Hof verbindet, gemeinsam die damit verbundene Verantwortung sowie das Risiko teilt, die Kosten über monatliche Beiträge im Voraus mitfinanziert und dafür im Gegenzug nicht nur einen Anteil an der Ernte, sondern auch die Gewissheit erhält, dass verantwortungsvoll mit dem Boden, den Tieren (von den Insekten bis zu den Menschen) und den Pflanzen umgegangen wird.

Lebensmittelretter

Hans Reichardt rettet eigenständig Lebensmittel und verteilt sie an bedürftige Personen im Berliner Umland. Zudem sucht er zusätzlich nach Orten an denen er die Lebensmittel ausgeben kann, z.B. nach Gottesdiensten

Der Ernährungsrat für Berlin

Der Ernährungsrat für Berlin ist eine offene Bewegung von AkteurInnen aus Berlin und Umland, die sich mit dem Thema Ernährung befassen. Mit dem Ziel, den Themen „Ernährung“ und „Landwirtschaft“ – und damit zusammenhängenden Fragen wie Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung, Regionalität, soziale und globale Gerechtigkeit, menschliche und tierische Gesundheit – in der Region Berlin-Brandenburg mehr öffentliche Aufmerksamkeit und politische Schlagkraft zu verleihen.

Gentechnikanbaufreie Region südlicher Barnim

In der Gentechnikanbaufreien Region haben sich konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte, Gärtner, Imker, Landeigentümer und Lebensmittelverarbeiter, verbandsübergreifend und freiwillig als Initiative für eine gentechnikfreie Landwirtschaft zusammengeschlossen – zur gentechnikanbaufreien Region südlicher Barnim.
Mit ihrer Arbeit wollen die Beteiligten, die Lücke zwischen der bereits bestehenden GFRegion Uckermark-Barnim und dem Bezirk Berlin-Pankow, der auf seinen kommunalen Flächen GVO-Anbau untersagt hat, schließen.

Aktiv werden! Welches Rezept ernährt Biesenthal und Umgebung in Zukunft?

In der zweiten Tageshälfte waren alle eingeladen, selbst aktiv zu werden. In vier thematischen Kleingruppen wurden Erfahrungen ausgetauscht, Ideen gesammelt und konkrete Schritte für die Zukunft geplant.

1. Kleingruppe: Logistik und Vermarktung

    Was läuft gut?

  • Radikal regional
  • Mehr Synergie!

    Was läuft schlecht?

  • Logistikwahnsinn
  • Zu wenig Kooperationen
  • Arbeitsaufwand für Direktvermarktung hoch
  • Logistiker*innen als Zwischenglied (kein direkter Kontakt)
  • Niedriger Marktpreis

    Was muss sich ändern?

  • Viele Möglichkeiten, Food Assembly, SoLaWi, Märkte, Hofläden
  • "Selbstbedienungsladen" bzw. –Tisch
  • Milchladen Biesenthal
  • Landkorb Sterngartenodyssee
  • Abo Kiste der Biohöfe

    Was können wir konkret tun?

  • Regionalvermarktungsgenossenschaft
  • Erzeuger*innengemeinschaft
  • Arbeitsgruppe: Logistik mitorganisieren
  • Ladengenossenschaften->Regionalläden
  • Freiwillige Regionalstände
  • bestehende Logistik nutzen
  • Spörgelhof – Mitglieder gesucht!!

2. Kleingruppe: Finanzierung von Landwirtschaft bzw. der Landwirtschaft der Zukunft

    Was läuft gut?

  • Wertsetzung von Lebensmitteln
  • Zwischenhandel aussetzen, direkt abnehmen
  • Dörfliche Struktur stärken
  • Märkisch Landbrot handelt im Vorfeld aus was Höfe bekommen für Getreide
  • Bewusstsein für sinnvolle Geldanlage (Privatkredite)
  • Kuhanteile; Finanzierung über Bekannte/Dorf/Heinrich Böll Stiftung
  • Entstehung von SoLaWis
  • Kleinanleger*in Schutzgesetz

    Was läuft schlecht?

  • Verschuldung über Direktkredite (Unsicherheit)
  • Gründung über Banken (auch GLS!)
  • Trotz Nachfrage kein Wachstum der Biohöfe
  • Extrem hoher Kapitalbedarf
  • Markt/Machtmonopol im Biosektor (Terra, Midgard)

    Was muss sich ändern?

  • transparente Preisgestaltung
  • In Wertsetzung von Lebensmitteln
  • Zwischenhandel ausschalten, direkt abnehmen
  • Dörfliche Struktur stärken, Vermarktung und Begegnungen vor Ort

    Was können wir konkret tun?

  • zusammen tun und gemeinsam handeln
  • Vorbilder schaffen
  • Direkte Abnahme landwirtschaftlicher Produkte (Supermärkte, Restaurants, Einzelabnehmer)

3. Kleingruppe: Zugang zu Land

    Was läuft gut?

  • Bereitschaft für Neuverpachtung an bäuerliche Betriebe
  • Investoren für Flächenfinanzierung etabliert
  • Biobodengenossenschaft/Ökonauten eG; Kulturland eG
  • BürgerGut Börnicke Beteiligung von BürgerInnen
  • Junge Bäuerinnen/Bauern
  • Fläche/Höfe sind vorhanden
  • Thema ist in Öffentlichkeit; Gemeingut Boden
  • Etablierte Netzwerke unterschiedlicher Akteure entlang der Lebensmittelschöpfungskette
  • Agrarstrukturverbesserungsgesetz in Sachsen-Anhalt

    Was läuft schlecht?

  • Preissteigerung für Flächen bei Kauf und Pacht
  • Flächenvergabe BVVG, Verkauf meistbietend
  • Flächen gehen an Investoren und Nichtlandwirte
  • Politischer Wille zur Veränderung fehlt
  • Komplette Betriebe gehen an Investoren
  • Mehr Wertschöpfung von endlichen Ressourcen

    Was muss sich ändern?

  • Landvergabekriterien nach Gemeinwohl
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen definieren (Grundstücksverkehrsgesetz)
  • "ungesunde Bodenverteilung"
  • Boden muss CO2-Speicher werden

    Was können wir konkret tun?

  • Kampagne um Privateigentümer anzusprechen+
  • Vergabekriterien bei Kirchenland ändern
  • bäuerliche Bodenbörse
  • JunglandwirtInnen mit Kapital ausstatten
  • Finanzierungsmodelle nutzen (Bioboden, Ökonauten …)
  • Hofnachfolge bei Großbetrieben abfragen

 4. Kleingruppe: Ernährungsbildung

    Was läuft gut?

  • Schulgärten (Ackerdemia, bzw. Gemüseackerdemie)

    Was läuft schlecht?

  • Finanzierung von Bildungsarbeit
  • Viele fühlen sich nicht betroffen
  • Unzureichende Bildung im Bereich Lebensmittelerzeugung
  • Die Uninteressierten werden nicht erreicht
  • Zusammenhänge sind weitgehend unbekannt

    Was muss sich ändern?

  • Orte, Gruppen und Ansprechpartner*innen finden

    Was können wir konkret tun?

  • Schauprojekt z.B. in Wandlitz – Küche oder Gastronomie – und an anderen Orten (Hygienestandards)
  • Obst- und Gemüsesorten Kindern näherbringen
  • Exkursionen zu „schlechten“ Beispielen
  • Gemeinsame Ernteeinsätze
  • Große Discounter miteinbinden und informieren
  • Vegetarisches Essen (und Infos) bei Stadtfesten oder anderen Veranstaltungen anbieten
  • Bürgerinitiative für politische Rahmenbedingungen



 

Wie geht’s weiter/Termine:

  • Spörgelhof, Einsatz- und Kennenlernentag Sonntag 13.03.2016; Bernauer Straße in 16359 Wandlitz
  • BürgerGut/GemeinschaftsGut Börnicke, Treffen grundsätzlich immer der erste Samstag im Monat im Gutsverwalterhaus um 17:00|18:00 oder 19:00 Uhr je nach Jahreszeit nächstes Treffen am 13.03.2016 um 17 Uhr (ausnahmsweise nicht der 1. des Monats); Kontakt:  03338-7085818
  • Hofbesuch Solidarische Landwirtschaft Waldgarten und Regionalgruppen Treffen der SoLaWi Berlin/Brandenburg am 10. April 2016 von 10-15.30 Uhr beim Ökohof Waldgarten, Schönesmarker Weg 23, Barenthin
  • Acker AG (Landzugang) Treffen 12./13. März bei Berlin, Kontakt: alessa.heuser@posteo.de
  • Die Energie- und Kulturwendebewegung im Barnim WandelBar trifft sich immer am 1. Donnerstag im Monat in Eberswalde. Am letzten Dienstag im Monat gibt es zudem die Veranstaltungsreihe „Werkstadt Eberswalde“. Viele weitere Informationen und Termine finden Sie unter: stadt-und-land-im-wandel.de
  • Ökumenische Andachten für Klimagerechtigkeit: jeweils am 1. des Monats: 1. April, 19 Uhr Basdorf; 1. Mai 19 Uhr, ev. Kirche;  Zühlsdorf; 1. Juni 19 Uhr Alt Wandlitz; 1. Juli 19 Uhr, kath. Kirche St. Konrad Wandlitz; 1. August 19 Uhr, ev. Kirche Basdorf; 1 September 19 Uhr, ev. Kirche Zühlsdorf, Alt Wandlitz, St. Konrad Wandlitz, Basdorf

Der Politische Suppentopf kam gut an – einige persönliche Highlights von Teilnehmenden:

„Weil aus dem Suppentopf neue Kooperationen entstehen“ – „Es war schön zu spüren, dass es Menschen gibt, die sich einen Wandel wünschen“ –
„Der gesamte Workshop ist ein Highlight“ – „Ich habe von Projekten gehört, die mich begeistern“