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Teller statt Tonne

 

Lebensmittelverschwendung

Während 925 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung leiden, landen weltweit ein Drittel der produzierten Lebensmittel im Müll oder gelangen als Abfallprodukte nicht mal auf unseren Tellern. Das sind durchschnittlich 300 Kilo pro Jahr und pro Kopf, laut einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). In den industrialisierten Ländern sind das 100 Kilo, die in den Privathaushalten weggeworfen werden. Der Rest wird während der Erzeugung oder im Handel verschwendet.

Die Studie zeigt weiter: Fast die Hälfte der Weizenernte und 46 Prozent des angebauten Obsts und Gemüses werden ungenutzt weggeworfen. Oft geschieht das, weil Produkte nicht den optischen oder logistischen Kriterien des Handels entsprechen. Sind die Gurken zu krumm, Äpfel zu klein, Zucchini zu groß, landen sie im Müll. Eine Studie der Universität Stuttgart führte zu Tage, dass allein in Deutschland 11 Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel jährlich weggeschmissen werden.

Nicht nur aus ethischen und sozialen Gründen gegenüber den hungernden Teilen der Welt ist das unvertretbar. Wertvolle Ressourcen wie Wasser und Boden und auch menschliche Arbeit werden so vergeudet. Die Zusammenhänge und Konsequenzen des individuellen Ernährungsverhaltens  im Norden auf die Länder der Südhemisphäre sind dabei oft gar nicht so klar. Ein  Lebensmittelsystem, das auf einem industriellen Modell, das auf Masse, schnellem Warenumschlag, Konformität und hohem Konsum beruht und die Vernichtungskette von Lebensmitteln systematisch einkalkuliert und ‚einpreist‘, untergräbt den kulturellen, sozialen und lokalwirtschaftlichen Aspekt des Essens.

Grundproblem ist nicht nur die fehlende Wertschätzung und das fehlende Verständnis von Lebensmitteln und ihrer Herkunft, sondern auch das industrielle System von Herstellung und Vertrieb, in dem weder für krumme Gurken noch für alte Rinderrassen Platz ist.

 

Vorbild Frankreich

Womöglich ändert sich langsam etwas im Bewusstsein gegenüber Lebensmitteln. In Frankreich dürfen ab dieser Woche große Supermarktketten Lebensmittel nicht mehr wegwerfen. Von nun an soll der Überschuss an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet werden, als Tierfutter oder Kompost weiterverwertet werden. So will die französische Regierung bis 2025 Lebensmittelabfälle um die Hälfte reduzieren und auch Reste in Kantinen verringern.


Teller statt Tonne

Die von Slow Food Deutschland initiierte Aktion „Teller statt Tonne“ will der Verschwendung entgegen treten und so dem Essen wieder seinen Wert zugestehen. Im Vordergrund stehen dabei „echte“ Lebensmittel, aus handwerklicher und regionaler Produktion. Denn sie tragen nicht nur zur Geschmacks- und Lebensmittelbildung bei, sondern stärken auch regionale Wirtschaftskreisläufe. Diese wiederum vermeiden Verschwendung: durch kurze Transportwege und kürzere Lagerzeiten kommen Lebensmittel schneller und frischer zum Endverbraucher. Ein partnerschaftliches Miteinander von Produzenten und Ko-Produzenten stärkt zudem die sozialen Netzwerke und das Bewusstsein um die Herkunft und den wahren Wert der Lebensmittel.

 

Meine Landwirtschaft erntet während des Kirchentags in der Nähe von Stuttgart all das krumme und knubbelige Gemüse, das auf dem normalen Lebensmittelmarkt keine Chance hätte. Lokale Erzeuger unterstützen die Aktion und gemeinsam mit den Teilnehmern des Kirchentags entsteht ein leckeres Gericht, das auf einer langen Tafel aufgetischt wird. Hier können sich die Besucher dann auch über Lebensmittelverschwendung informieren und erfahren, was sie persönlich dagegen unternehmen können.