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Antibiotika in der Tierhaltung

Die G7 werden sich in diesem Jahr erstmals zu den weltweit verstarkt auftretenden „Antibiotikaresistenzen“ besprechen. Der Schwerpunkt der Gruppe der Sieben liegt allerdings bei den Bekampfungsmoglichkeiten der multiresistenten Keime durch die Entwicklung neuer Antibiotika. Auf dem Kirchentag stellen wir hingegen den Antibiotikamissbrauch in der Landwirtschaft und die dadurch verstärkt auftretenden Resistenzen in den Vordergrund.

In der industriellen Landwirtschaft wird viel Fleisch billig produziert. Damit das funktioniert, werden möglichst viele Tiere auf engem Platz gehalten. Damit geht einher, dass den Tieren Antibiotika verabreicht werden. Oft geschieht dies wiederum aus Kostengründen präventiv oder für alle Tiere eines Stalls, obwohl nur eins krank ist. Einem Schwein werden durchschnittlich 3,4 Male Antibiotika verabreicht. Neun von zehn Puten sind mit Antibiotika behandelt worden, bevor sie geschlachtet werden. Und das obwohl prophylaktische Behandlung in Deutschland gesetzlich verboten ist.

Antibiotika sollten möglichst sparsam und zielgerichtet eingesetzt werden, damit ihre Wirksamkeit erhalten bleibt. Die zum Großteil willkürliche Verabreichung der Medikamente birgt ein hohes Risiko der Resistenz-Bildung. Im wirklichen Bedarfsfall gibt es dann keine wirksamen Gegenmittel mehr. Riesige Stallanlagen sind ein geeigneter Ausgangspunkt für Keime, die sich schnell zwischen den dicht gedrängten Tieren ausbreiten.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt an, dass Pharmafimen jährlich über 1.450 Tonnen Antibiotika an Tierärzte ausgeben. Zum Vergleich: In der Humanmedizin sind es nur rund halb so viele. Auf der Agrarminister-Konferenz im März diesen Jahres forderten die Landesminister der Länder den Bund auf, eine Liste mit Medikamenten zu erstellen, die Tieren nicht mehr oder nur noch in Ausnahmefällen verabreicht werden dürfen.

 

Gefahr für den Menschen

Denn resistente Bakterien bleiben nicht in den Ställen, sondern erreichen auch die VerbraucherInnen. Zum Teil bleiben sie bis zum Endprodukt erhalten und landen so unter Umständen mit auf dem Teller. Auch auf Gemüse konnten resistente Keime nachgewiesen werden, da sie über die Abluft der Ställe in die Umwelt gelangen oder als Gülle auf den Feldern landen und von dort ins Oberflächenwasser. Wenn sich diese Bakterien auf den Menschen übertragen, wirken normale Antibiotika nicht mehr und eigentlich behandelbare Krankheiten werden zur tödlichen Gefahr. Nach Schätzungen des EU-Parlaments sterben jährlich 25000 Menschen aufgrund multiresistenter Keime. Das Bundesgesundheitsministerium gibt für Deutschland pro Jahr zwischen 7.500 und 15.000 Menschen mit dieser Todesursache an.

Am Dienstag verabschiedete die Weltgesundheits-Organisation (WHO) ihren globalen Aktionsplan gegen Antibiotikaresistenzen und veröffentlichte neue Zahlen. Rund 700.000 Menschen sterben weltweit im Zusammenhang mit resistenten Keimen und warnt vor einem „post-antibiotischen“ Zeitalter, da zugleich kaum neue Arzneien entwickelt werden. Die WHO ruft deswegen alle Staaten auf, eigene Aktionspläne zu entwickeln, die die Etablierung eines Überwachungssystems der Resistenzen, konsequente Regulierungen zur Verschreibung, Vergabe und Zulassung von Antibiotika, und sowohl Gesetze als auch ökonomische Anreize für einen reduzierten Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft beinhalten.

 

Artgerechte Tierhaltung statt Antibiotika

Aktion Agrar fordert auf dem Kirchentag mit einer Resolution Tiere artgerecht zu halten, anstatt mit Antibiotika zu kalkulieren! Eine Tierhaltung der Zukunft muss ethisch vertretbar und artgerecht sein. Das ist mit Megaställen mit tausenden Tieren unmöglich. Bis dahin sind Maßnahmen zur Reduktion und Kontrolle von Antibiotika-Vergabe notwendig.